Diabetes Ratgeber

Alkoholkonsum in Deutschland

Sie wollen Ihren Konsum reduzieren? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Die Deutschen trinken deutlich weniger als 1970. Seit damals ist der Pro-Kopf-Verbrauch an reinem Alkohol von 14,4 Litern auf 10,2 Liter jährlich gesunken. Vor allem Jüngere bleiben komplett nüchtern: laut einer Umfrage fast die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen.

Was ist der „trockene Januar“?

Der „trockene Januar“, eine Initiative aus Großbritannien, ist inzwischen in ganz Europa beliebt. Das Prinzip: Man verzichtet einen Monat lang auf Alkohol und beobachtet, was die Abstinenz mit einem macht. Viele Menschen fühlen sich bereits nach wenigen Wochen „ohne“ körperlich und vor allem psychisch viel besser. Die Erfahrung, dass man seinen Konsum kontrollieren kann, tut gut.

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Die Dosis verstärkt das Gift

Ab und zu ein Gläschen Alkohol fördert die Gesundheit? Falsch! Bisher konnte keine Studie einen Nutzen belegen. Eindeutig nachgewiesen sind dagegen die massiven Schäden durch das Nervengift Alkohol. Sie reichen von Krankheiten bis zu Unfällen. Als riskanter Konsum gelten bei Frauen täglich mehr als zwölf Gramm reiner Alkohol (das entspricht 0,3 Litern Bier oder 0,1 Litern Wein), bei Männern das Doppelte. Mindestens zwei Tage in der Woche sollte man ganz alkoholfrei bleiben.

Achtung: Fettleber!

Zwischen Leber und Milz passt besser kein Pils. Mehr als zwei Drittel der Menschen mit Typ-2-Diabetes haben eine Fettleber. Diabetes und Übergewicht setzen dem Organ zu. Da sollte man es besser nicht auch noch mit Alkohol malträtieren. Schon nach einer alkoholfreien Woche bessert sich der Zustand des Lebergewebes. Innerhalb von vier Wochen kann sich eine Leber gut erholen. Wer auf Alkohol verzichtet, nimmt außerdem oft leichter ab; Leber und Blutzucker profitieren also doppelt.

Was tun bei Zweifeln?

Sie erwägen gelegentlich, weniger zu trinken — sind aber unsicher, ob Sie das auf Dauer wirklich möchten oder durchhalten können? Solche zwiespältigen Gefühle sind normal. Überlegen Sie sich: „Passt mein Trinkverhalten zu dem, wie ich persönlich sein möchte, wie mich andere sehen sollen und wie ich mein Leben gerne gestalten will?“ Ist die Antwort ein Jein oder ein Nein, fällt es Ihnen vielleicht bald leichter, beim Alkohol öfter mal Stopp zu sagen.

Locker im Limit bleiben

Es gibt viele Strategien, die dabei helfen, die Alkoholmenge im Rahmen zu halten. Etwa den, sich in Gesellschaft an einer Person zu orientieren, die langsam trinkt – und das eigene Glas dann genauso bedächtig zu leeren. Allerdings passt nicht jeder Rat für jeden gleich gut. Probieren Sie aus, welche „Weniger“-Methode für Sie funktioniert. Viele Tipps gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.kenn-dein-limit.de/alkoholverzicht/weniger-alkohol-trinken/

Vorsicht, Zuckertief!

Wenn Sie Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe (etwa Glibenclamid, Glimepirid) einnehmen, können mit Alkohol Unterzuckerungen drohen. Denn er hemmt die Zuckerfreisetzung aus dem Speicher in der Leber und verhindert so, dass der Körper bei einer Unterzuckerung den Blutzucker wieder ausreichend erhöht. Messen Sie deshalb öfter und besprechen Sie mit dem Arzt, ob und wie Sie die Insulindosis anpassen, wenn Sie Promillehaltiges trinken.

Das ist auch deshalb von Belang, weil jeder Mensch unterschiedlich auf Alkohol reagiert. Beim einen fällt der Blutzucker schneller, beim anderen langsamer. Ebenso wichtig: nie Alkohol auf nüchternen Magen! Besonders kritisch ist Alkohol am Abend. Der Zucker kann noch bis zu zehn Stunden später abfallen. Gehen Sie mit leicht erhöhten Werten ins Bett und stellen Sie sich einen Wecker, um nach ein paar Stunden noch einmal zu messen.

Auf die Plätze, fertig ...

Der Januar passt Ihnen nicht, um mal einige Wochen „ohne“ auszuprobieren? Dann ist die Fastenzeit vielleicht eine Alternative. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet jedes Jahr eine Aktion mit Motivationstipps, die man online oder über einen Newsletter erhält. Alle Infos gibt es hier: https://www.kenn-dein-limit.de/alkoholverzicht/fastenaktion

Fachliche Beratung: Prof. Sebastian Mueller, Direktor des Zentrums für Alkoholforschung an der Universität Heidelberg; Dr. Nikolaus Scheper, Vorsitzender des Bundesverbands Niedergelassener Diabetologen.


Quellen:

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