Entdecken Eltern, dass sich aus einem hellen oder rötlichen Fleck auf der Haut ihres Babys eine ­immer größere, dickere Wucherung entwickelt, kann das beunruhigen. Die gute Nachricht: Ein Hämangiom ist meist harmlos.

Was sind Blutschwämmchen?

„Blutschwämmchen sind gutartige Tumore, die von der Gefäßwand ausgehen und sich am ganzen Körper bilden können – oft wachsen sie im Gesicht, am Hals, auf der Kopfhaut oder an den Extremitäten, sehr selten an inneren Organen“, erklärt Dr. Julia Kössler-Ebs, die Assistenzärztin für Kinderchirurgie ist und am Heidelberger Universitäts­klinikum die Hämangiom-Sprechstunde betreut.

„Typischerweise wachsen sie sechs bis neun Monate lang, es folgt eine Übergangsphase, in der nichts passiert, dann verkleinern sie sich wieder.“ Bis zur Einschulung ist oft schon nichts mehr zu sehen.

Oft reichen kinderärztliche Kontrollen

In Deutschland entwickeln drei bis fünf Prozent der Säuglinge in den ersten Lebenswochen ein Blutschwämmchen, zu früh gebo­rene Babys noch häufiger. Mädchen bekommen sie drei- bis fünfmal so oft wie Jungen. Warum sie sich bilden, ist nicht abschließend geklärt. Auch wie sich so ein Fleck im Einzelfall entwickelt, lässt sich kaum vorhersagen. „Meist reicht es, ihn von Kinderarzt oder -ärztin kontrollieren zu lassen“, klärt Kössler-Ebs auf. „Falls ein oder mehrere Blutschwämmchen sehr schnell und an kritischen Stellen wachsen, ist ein Kind in einer Spezial-­Sprechstunde an einer Klinik gut aufgehoben.“

Manchmal ist eine frühe Behandlung nötig

Bei zehn bis 15 Prozent der betroffenen Babys ist eine frühzeitige Therapie nötig, um Komplikationen vorzubeugen. „Wuchert etwa ein Säuglingshäman­giom ungehindert am Auge, kann das zu Sehstörungen bis hin zur Erblindung führen“, sagt Prof. Dr. Henning Hamm, Oberarzt an der Haut­klinik des Universitätsklinikums Würzburg. Er rät auch zum schnellen Eingreifen, wenn ein Blutschwämmchen an der Lippe wächst und das Baby daran hindert, an der Brust oder aus der Flasche zu trinken. An und in der Nase kann es die Atmung erschweren und Verformungen verursachen. Entwickelt es sich an Stellen, an denen es ständiger Reibung ausgesetzt ist, könnte es aufplatzen. „Im Gegensatz zu den Befürchtungen vieler ­Eltern ist die Blutung kein großes Problem“, so Hamm. Es könne jedoch ein Geschwür entstehen, das wehtut und sich entzündet.

Ein Medikament kann helfen

Damit es gar nicht erst so weit kommt, ist für ­Babys mit problematischen Hämangiomen seit einigen Jahren der Wirkstoff Propranolol das Mittel der Wahl – ein Betablocker, mit dem eigentlich Herzrhythmusstörungen behandelt werden. „Dass er hilft, war eine Zufallsentdeckung“, sagt Hamm. „Französische Ärzte behandelten Kinder mit Herz-Kreislauf-Komplikationen, ausgelöst durch Hämangiome, damit und beobachteten, dass sich die Gefäßtumore zurückbildeten.“ Inzwischen haben große Studien die gute Wirkung und Verträglichkeit des Medikaments bestätigt. „Wichtig ist, Herzprobleme auszuschließen und die Dosis langsam und unter Beobachtung zu steigern“, erklärt der Dermatologe. Da meist nur leichte Nebenwirkungen wie nächtliche Unruhe beobachtet wurden, spielen andere Therapien wie Laser, Steroide oder Operationen bei der Erstbehandlung heute kaum noch eine Rolle.

Wann wird operiert?

„Eine Operation kommt eher für Kinder vor dem Schuleintritt infrage, bei denen störende Reste zurückgeblieben sind – oder wenn an der Kopfhaut ­eine Stelle haarlos bleibt“, sagt Kössler-Ebs. Das Wachstum kleiner, flacher Hämangiome an Rumpf, Armen oder Beinen lässt sich unter örtlicher Betäubung mit einem Kältestift stoppen.

Bei 85 bis 90 Prozent der Kinder genügt es aber, das Hämangiom im Blick zu behalten, sind sich die Fachleute einig. Ein unkompliziertes Blutschwämmchen braucht auch keine Extrapflege. Wichtig ist nur Sonnenschutz. Das gilt aber für die gesamte Babyhaut, nicht nur für Hämangiome.

Säuglingshämangiome der Haut

Normalzustand: Ein Netz von Blutgefäßen durchzieht die Leder- und Unter­haut und versorgt sie mit Sauerstoff und Nährstoffen.

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Kutane Hämangiome entstehen, wenn sich in der oberen Hautschicht neue Blutgefäße bilden und wuchern. Die Folge: rote, erhabene Knoten.

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Subkutane Hämangiome bestehen aus wuchernden Blutgefäßen unter der Haut. Sie schimmern meist bläulich bis in die oberste Hautschicht durch.

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Gemischtes Hämangiom: Das Blutschwämmchen breitet sich bei dieser Form der gutartigen Gefäßneubildung sowohl in als auch unter der Haut aus.

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Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten.

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