Anfangs ließen sich manche Menschen nicht gegen Covid-19 impfen, weil sie den bis dahin verfügbaren Impfstoffen misstrauten. Der Impfstoff der Firma Novavax hat einen anderen Wirkmechanismus als die vier zuerst zugelassenen: Er ist kein sogenannter mRNA-Impfstoff, sondern wird als Totimpfstoff bezeichnet. Die Substanz mit dem Kürzel NVX-CoV2373 heißt auch Nuvaxovid.

Übrigens enthalten auch mRNA-Impfstoffe gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 keine vermehrungsfähigen Coronaviren. Sie wirken lediglich nach einem Prinzip, das zu Beginn der Impfstoffeinführung gegen Sars-CoV-2 vergleichsweise neu war.

Wie funktioniert der Novavax-Impfstoff?

Er enthält Bestandteile des sogenannten Spike-Proteins, einem Eiweiß auf der Oberfläche von Sars-CoV-2-Viren. Das körpereigene Abwehrsystem reagiert auf die Eiweiß-Schnipsel und baut so einen Immunschutz gegen Covid-19-Erkrankungen auf. Auch viele Grippe-Impfstoffe funktionieren nach diesem Prinzip – mit dem Unterschied, dass bei ihnen Eiweiß-Schnipsel von Influenzaviren die Immunreaktion hervorrufen.

Der Unterschied zu den mRNA-Impfstoffen ist: Bei den mRNA-Impfstoffen produziert der Körper selbst das Spike-Protein. Der Impfstoff enthält sozusagen nur die Bauanleitung dafür.

Was ist im Impfstoff drin?

Wie erwähnt, enthält der Impfstoff Bestandteile des Spike-Eiweißes. Diese Bestandteile werden in Insektenzellen hergestellt. In die Insektenzellen wird das Gen für die Spike-Protein-Bestandteile eingescheust. Die Insektenzellen produzieren dann das Eiweiß.

Der Impfstoff enthält zusätzlich einen Wirkverstärker, denn die Immunantwort auf die Spike-Proteine aus dem Impfstoff allein reicht nicht aus. Dieser basiert auf einem Saponin-Extrakt, der vom Seifenrindenbaum stammt. Die mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 enthalten keine Wirkverstärker, sogenannte Adjuvantien.

Wie sieht es mit Wirkung und Nebenwirkungen aus?

„In den Zulassungsstudien zeigte der Impfstoff eine mit den mRNA-Impfstoffen vergleichbare Wirksamkeit“, erklärt die Ständige Impfkomission (Stiko). Im Bezug auf die Alpha-Variante könne sie in 90 Prozent der Fälle eine milde bis schwere Covid-19-Erkrankung verhindern[1]. Zur klinischen Wirksamkeit gegen die Omikron-Variante könnten aber noch keine Aussagen getroffen werden. „Auch dieser Impfstoff wird an Omikron angepasst werden müssen“, schrieb Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, schon vor längerer Zeit mit Blick auf Novavax auf Twitter. Da die Herstellung der Proteine in Insektenzellen zeitaufwendiger ist als die mRNA-Technologie, dauert das aber noch an.

Laut der Stiko[2] kann Novavax in den ersten Tagen nach der Impfung ähnlich ausgeprägte Impfreaktionen wie die anderen zugelassenen Vakzine gegen das Coronavirus hervorrufen. Dazu gehören Druckempfindlichkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen. In sehr seltenen Fällen traten außerdem allergische Sofortreaktionen auf. Zudem gab es einige wenige Fälle von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen.

Wie lautet die Empfehlung der Stiko?

Der Impfstoff wird von der Stiko[3] zur Grundimmunisierung ab 12 Jahren empfohlen, allerdings nicht zur Auffrischungsimpfung. Außerdem gibt es noch nicht ausreichend Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit – daher ist er in diesen Fällen generell nicht empfohlen. In Einzelfällen kann er jedoch zum Einsatz kommen, wenn es Gründe gegen die Anwendung der mRNA-Impfstoffe gibt.

Nuvaxovid kann außerdem gleichzei­tig mit einem Influenza­-Totimpfstoff verabreicht werden. Bei anderen Impfungen soll ein Abstand von 14 Tagen eingehalten werden. Wie bei allen Impfungen sollen in den folgenden Tagen starke körperliche Belastungen wie Leistungssport vermieden werden.


Quellen:

  • [1] Robert Koch-Institut: Aufklärungsmerkblatt zur Schutzimpfung gegen COVID-19 (Corona Virus Disease 2019) (Grundimmunisierung) – mit proteinbasiertem Impfstoff. Online: https://www.rki.de/... (Abgerufen am 04.11.2022)
  • [2] Robert Koch-Institut: Sicherheit (der Corona-Impfstoffe). Online: https://www.rki.de/... (Abgerufen am 04.11.2022)
  • [3] Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 4 2022. Online: https://www.rki.de/... (Abgerufen am 04.11.2022)
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