Was sind Streptokokken?

Streptokokken sind kugelförmige Bakterien, die sich typischerweise in Ketten oder Paaren anordnen. Sie gehören zur Haut- und Schleimhautflora und besiedeln Darm, Mund- und Rachenraum sowie die Scheide (Vagina). Streptokokken können aber auch krank machen.

Die Gattung der Streptokokken umfasst verschiedene Arten. Sie lassen sich anhand ihrer Eigenschaft, rote Blutkörperchen aufzulösen (Hämolyse) einteilen. Im Labor bringt man dafür Proben des Erregers auf Blut enthaltende Nährplatten (Blutagar) auf und züchtet sie an. Bauen die Streptokokken den Blutfarbstoff (Hämoglobin) der roten Blutkörperchen teilweise ab, spricht man von Alphahämolyse. Da bei diesem Abbau grünliche Produkte entstehen, heißen diese Bakterienstämme auch vergrünende Streptokokken. Sie finden sich zum Beispiel häufig in der Mundhöhle. Betahämolyse bedeutet, dass die Streptokokken den roten Blutfarbstoff vollständig abbauen. Bei Gammahämolyse findet keine Hämolyse statt.

Die Betahämolysierenden Streptokokken unterscheidet man dann nach bestimmten Zellwandbestandteilen noch in die Gruppen A bis T (Lancefield-Klassifizierung). Zu den medizinisch bedeutsamsten Streptokokken zählen betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A.

Welche Krankheiten verursachen Streptokokken?

A-Streptokokken

Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes) sind oft für akute Infektionen in den oberen Atemwegen verantwortlich, zum Beispiel Mittelohr-, Nasennebenhöhlen-, Rachen- oder Mandelentzündungen (Streptokokkenangina). Die Kinderkrankheit Scharlach wird ebenfalls von A-Streptokokken hervorgerufen, außerdem Haut- und Weichgewebsinfektionen wie die Wundrose (Erysipel).

B-Streptokokken

Streptokokken der Gruppe B (Streptococcus agalactiae) spielen vor allem bei abwehrgeschwächten Menschen und Neugeborenen eine Rolle als Krankheitserreger. In der Schwangerschaft werden sie zum Risiko, denn es besteht die Gefahr, dass sich das Baby während der Geburt bei der Mutter anstecket und im schlimmsten Fall an einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Neugeborenensepsis erkrankt. Antibiotikagaben während der Geburt können die Übertragung weitgehend verhindern.

Ob in der Scheide oder im Anus B-Streptokokken siedeln, lässt sich mit einem Abstrich-Test feststellen. Gynäkologinnen und Gynäkologen empfehlen diese Vorsorgeuntersuchung auf B-Streptokokken für alle Schwangeren zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche. Allerdings übernehmen die Krankenkassen die Kosten nicht in jedem Fall. Der Arzt oder die Ärztin kann dazu informieren.

Pneumokokken

Bakterien der Art Streptococcus pneumoniae werden auch Pneumokokken genannt. Sie besiedeln den Nasenrachenraum des Menschen und können verschiedene Formen der Lungenentzündung (Pneumonien) und andere mitunter schwere Infektionen verursachen. Gefährdet sind besonders Säuglinge, Kleinkinder sowie ältere und abwehrgeschwächte Personen. Darunter fallen unter anderem auch Tumorkranke und Patientinnen und Patienten nach Milzentfernung.

Gegen Pneumokokken gilbt es eine Impfung. Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung deshalb für alle Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten, für Erwachsene ab 60 Jahren und für Menschen mit einem erhöhten Risiko aufgrund von bestimmten Vorerkrankungen.

Streptokokken können noch an vielen weiteren Infektionen beteiligt sein, zum Beispiel einer Blutvergiftung (Sepsis).

Folgeerkrankungen von Streptokokken

Einige Wochen nach Infektionen mit A-Streptokokken kann es zu Folgeerkrankungen kommen. Diese entstehen nicht durch die Bakterien, sondern durch Antikörper, die vom Immunsystem gegen die Bakterien gebildet wurden. Diese Antikörper greifen fälschlicherweise den eigenen Körper an. Es handelt sich also um eine Autoimmunreaktion. Darunter fällt das akute rheumatische Fieber mit möglicher Schädigung der Herzklappen (Endokarditis) und des Herzmuskels (Myokarditis). Wird die Niere angegriffen, spricht man von einer Glomerulonephritis.

Wie wird eine Streptokokkeninfektion festgestellt?

Durch Streptokokken verursachte Infektionskrankheiten werden anhand der Symptome (zum Beispiel Scharlachausschlag) und dem Krankheitsverlauf diagnostiziert. Zusätzlich kann der Erreger direkt im Labor nachgewiesen werden, zum Beispiel aus einem Abstrich des Rachens oder einer Wunde. Es gibt auch einen Schnelltest auf Streptokokken, der zum Beispiel bei Infektionen im Rachenraum eingesetzt werden kann.

Behandlung mit Antibiotika

Streptokokkeninfektionen lassen sich meist gut mit Antibiotika behandeln. Welches Antibiotikum am besten geeignet ist, hängt vom Krankheitsbild ab. Wegen der Gefahr von Streptokokken-Folgeerkrankungen ist es wichtig, Antibiotika wie vom Arzt oder von der Ärztin verordnet zu nehmen und die Therapie nicht vorzeitig abzubrechen.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Quellen

Robert Koch-Institut: Ratgeber Streptocococcus pyogenes-Infektionen. Online: www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Streptococcus_pyogenes.html;jsessionid=0D883B409A099D1A6964FCB70F91F0C4.internet102#doc2374548bodyText9 (abgerufen am 13.12.2022)

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA): www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-erwachsene/pneumokokken (abgerufen am 13.12.2022)

Gemeinsame Leitlinie von Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF), Bundesverband "Das frühgeborene Kind" e.V. (BVDfK), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) und Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin e.V. (GNPI): Prophylaxe der Neugeborenensepsis - frühe Form - durch Streptokokken der Gruppe B.  Leitlinie 3/2016. Online: www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/024-020l_S2k_Prophylaxe_Neugeborenensepsis_Streptokokken_2016-04.pdf (Abgerufen am 13.12.2022)

Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2017

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