Würden Sie im Winter kalt duschen oder in einen See springen und im eiskalten Nass Ihre Runden drehen? Freiwillig? Viele Menschen schwören darauf, sich durch Kältereize abzuhärten. Mit Eisbaden oder kalten Duschen wollen sie sich gegen Schnupfen und andere Erkältungskrankheiten wappnen. Aber auch im Zuge steigender Energiekosten erwägt vielleicht manch einer, öfter kalt zu duschen. Doch was ist dran am Abhärten? Tut es unserer Gesundheit wirklich gut, uns kalten Reizen auszusetzen?

Was bringen kalte Duschen?

Dass kalte Reize tatsächlich unsere Abwehr stärken, konnte bisher nicht ausreichend belegt werden. Die wenigen kleinen Studien, die nahelegen, Kältereize würden unser Immunsstem stärken, sind nicht aussagekräftig genug. Daher kann man die Frage nach der Sinnhaftigkeit von kalten Duschen und Bädern nicht klar mit ja oder nein beantworten[1].

„In jedem Falle werden die Blutgefäße trainiert und die Hautdurchblutung verbessert, da sich die Gefäße durch die Kälte verengen und danach wieder erweitern“, sagt Prof. Dieter Melchart, Leiter des Kompetenzzentrums für Komplementärmedizin und Naturheilkunde (KoKoNat) der Technischen Hochschule Deggendorf. Dies gelte auch für unsere Schleimhäute im Nasen-Rachenraum, die für die Immunabwehr wichtig sind. Darüber hinaus gebe es auch Erfahrungen von Menschen mit regelmäßiger Kaltwasseranwendung, dass sich Stimmung und Schlaf verbessern. Belastbare wissenschaftliche Nachweise sind für diese Wirkungen jedoch nicht vorhanden.

In sehr kleinen, bereits älteren Studien konnte gezeigt werden, dass Abhärtung die Abwehr mobilisiert, mehr Immunzellen zu produzieren. Etwa in einer Untersuchung der Universität Jena mit 20 COPD-Patienten, die regelmäßig kalte Brustgüsse erhielten. Anschließende Blutanalysen zeigten, dass die Anzahl immunrelevanter Zellen um 13 Prozent anstieg.

"Zwar verschwinden die Effekte relativ schnell wieder, aber sie sind reproduzierbar", sagt Professorin Annette Becker von der Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin der Uni Marburg. Das spreche durchaus für einen positiven Effekt. Ob diese Veränderung jedoch auch dazu beiträgt, Erkältungskrankheiten zu verhindern, ist nicht geklärt.

Was gibt es bei kalten Duschen zu beachten?

Generell gilt: Der Körper sollte warm sein, bevor man sich kalt duscht. „Nie mit kalten Füßen oder einem Kältegefühl eine Kaltdusche durchführen!“, warnt Experte Melchart.

Achtung!

Gesundheitlich angeschlagene oder ältere Menschen sollten Eisbaden oder kaltes Duschen unbedingt vorher mit der Ärztin oder dem Arzt absprechen! Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten gilt das ebenfalls. Auch eine gestörten Kältewahrnehmung, zum Beispiel bei Nervenerkrankungen mit Sensibilitätsstörungen, kann gegen eine Kälteanwendung sprechen.

Er empfiehlt außerdem: Wer kalt duschen will, der sollte das täglich - entweder jeden Morgen oder jeden Abend - tun. Die Kaltdusche sollte zwischen 30 Sekunden und maximal drei Minuten dauern und anschließend an eine Warmdusche erfolgen. Allerdings hänge diese Routine auch von Jahreszeit und persönlicher Gewöhnung ab.

Wie geht Eisbaden und bringt das was?

Beim Eisbaden oder Winterbaden handelt es sich um eine Extremform von Kältereizen. Fans vom Eisbaden vermuten sich auch damit abhärten zu können. Manche treffen sich sogar in Gruppen oder ganzen Vereinen um nach der offiziellen Saison regelmäßig weiter zu baden. Das nicht alleine zu tun, ist tatsächlich sogar ratsam, da Winterbaden nicht ungefährlich ist. Auch diese Art der Abhärtung sollte man wenn dann nach und nach trainieren - etwa mit kalten oder Wechselduschen. Außerdem sollte ein Eisbad nur wenige Sekunden bis Minuten dauern. Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird dringend vom Eisbaden abgeraten.

Ob Eisbaden wirklich gesundheitlichen Nutzen hat, ist nicht ausreichend belegt. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass es die Durchblutung anregt.

Tipps fürs Eisbaden

Damit beim Baden im kalten Wasser alles gut geht, sollte man - nachdem man es mit dem Arzt oder der Ärztin abgesprochen hat - außerdem folgende Tipps beherzigen:

  • nach Möglichkeit nicht alleine Eisbaden gehen
  • vorher locker aufwärmen und/oder ein paar Atemübungen machen
  • Mütze tragen
  • Kopf und Hände über Wasser halten
  • nicht zu lange im Wasser bleiben (maximal fünf Minuten)
  • Um sich nach dem Bad schnell aufzuwärmen, sollte am Ufer warme Kleidung bereitliegen. Eine kleine Matte zum Draufstehen sorgt für zusätzlichen Komfort beim Abtrocknen und Umziehen. Kleiner Tipp: Lieber etwas größere Socken einpacken - so fällt das Ziehen über die kalte und restfeuchte Haut der Füße leichter.
  • Festes Schuhwerk für besseren Stand: Außerdem kann es eine Überlegung wert sein, beim Eisbaden feste Schuhe zu tragen. Das könnte etwa ein altes Paar Laufschuhe sein. Dabei geht es darum, ein Abrutschen zu vermeiden, denn meist werden beim Eisbaden zuerst die Füße kalt und taub. Das Tragen fester Schuhe kann sich etwa an einem steinigen Ufer auszahlen.

Können kalte Duschen und Bäder krank machen?

Auch um hierzu eine klare Aussage zu treffen, ist die Studienlage zu dünn. Kleine Studien legen nahe, dass kalte Duschen und Bäder in Einzelfällen zu anhaltendem Kältegefühl, Juckreiz, Muskelschmerzen oder Schlafproblemen, Schwindel und Krämpfen führen könnten. Von schwerwiegenden Folgen für gesunde Personen wurde bisher nicht berichtet[1].

Alternativen zum Eisbaden oder kalten Duschen

Will man Erkältungskrankheiten vorbeugen, spielt generell der gesamte Lebensstil eine Rolle – viel Bewegung, gesunde Ernährung, genug Schlaf. Mehr dazu, wie Sie etwas für ihr Immunsystem tun können und wie es überhaupt funktioniert, erfahren Sie hier.

Fazit

Dass Abhärtung durch Eisbaden oder kalte Duschen Krankheiten vorbeugen kann, ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Genauso wenig sind schwerwiegende negative Folgen sicher nachgewiesen. Für bestimmte Personengruppen wie Herz-Kreislauf-Patienten, Menschen mit Sensibilitätsstörungen, ältere oder anderweitig gesundheitlich angeschlagene Personen können Kältereize eventuell gefährlich werden. Wer an seinem Kälteempfinden arbeiten oder dem Immunsystem etwas Gutes tun möchte, kann das auch mit viel Bewegung an der frischen Luft sowie mit gesunden Schlaf- und Ernährungsroutinen versuchen.

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Quellen:

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