Baby und Familie

Fieber tritt bei vielen Kinderkrankheiten und anderen Infekten auf. Wie bedenklich das Fieber ist, sollte die Kinderärztin oder der Kinderarzt beurteilen. Es muss abgeklärt werden, ob das Fieber beispielsweise durch eine ernstzunehmende Infektion ausgelöst wurde. Ist keine schwere Krankheit die Ursache, kann das Kind nach ärztlicher Rücksprache auch mit Hausmitteln wie Wadenwickeln behandelt werden. Allerdings nur als unterstützende Maßnahme.

Wadenwickel können das Wohlbefinden verbessern

Bei Kindern spricht man üblicherweise ab 38 Grad von Fieber und ab 39 Grad von hohem Fieber. Die erhöhte Körpertemperatur hat eine wichtige Funktion: Sie steigert die Stoffwechselaktivität und hilft dem Körper, Krankheitserreger zu bekämpfen. Wenn das Kind unter hohem Fieber leidet, kann es sinnvoll sein, die Temperatur zu senken. Vor allem, wenn es zunehmend erschöpft oder unruhig ist.

Neben fiebersenkenden Medikamenten können unterstützend auch Wadenwickel helfen. Beide Maßnahmen sollten Sie mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin absprechen. Hauptziel ist es, das allgemeine Wohlbefinden des Kindes zu steigern. Es gibt allerdings keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Wadenwickel das tun. Für Kinder können die Wickel Stress bedeuten, den man vermeiden sollte. Es wird aber vermutet, dass die elterliche Zuwendung für ein besseres Wohlbefinden beim Kind sorgt.

Keine Wadenwickel bei kalten Händen und Füßen

In den meisten Fällen ist es nicht notwendig, das Fieber bei Kindern zu senken. Sind die Hände oder Füße kalt, zeigt das eine Zentralisierung des Kreislaufs an. Dabei werden Arme und Beine weniger durchblutet, damit die inneren Organe ausreichend mit Blut versorgt werden. Dann auf keinen Fall Wadenwickel anlegen. Bei kalten Armen und Beinen, können die kühlen Wickel im Körper falsche Signale auslösen. Er produziert dann noch mehr Wärme. Das Fieber kann dann steigen, statt zu fallen.

Wadenwickel richtig anlegen

Wer Wadenwickel anlegen möchte, sollte unbedingt folgende Anleitung beachten. Wadenwickel müssen straff sitzen, sonst fühlen sie sich unangenehm an und entfalten unter Umständen nicht die volle Wirkung. Für die Wickel verwenden Sie am besten drei Tücher:

  • Das Innentuch kommt direkt auf die Haut. Verwenden Sie ein Baumwoll- oder Leinentuch, zum Beispiel ein Geschirrhandtuch oder eine Stoffwindel. Auch alte Kniestrümpfe (keine Kunstfasern!) eignen sich, bei denen man das Fußteil einfach abschneidet.
  • Tauchen Sie das Tuch in handwarmes Wasser, wringen Sie es aus und legen Sie es um den Unterschenkel.
  • Darüber kommt ein trockenes Zwischentuch aus Baumwolle. Es saugt überschüssige Flüssigkeit auf und schützt das Außentuch. Das Zwischentuch muss ein bisschen größer sein als das Innentuch.
  • Als Drittes legen Sie ein trockenes Woll- oder Frotteetuch unter.

Bitte verwenden Sie kein kaltes, sondern handwarmes Wasser. Die Temperatur des Wickels sollte höchstens ein bis zwei Grad unter der gemessenen Körpertemperatur liegen. Zu kaltes Wasser würde die Hautgefäße verengen, sodass der Körper nur noch schlecht Wärme abgeben kann.

Wie oft die Wickel wechseln?

  • Bei hohem Fieber ist der erste Wickel fast schon warm, wenn das zweite Bein umwickelt ist, er muss dann rasch erneuert werden.
  • Die zweiten Wickel werden nach etwa zehn Minuten gewechselt.
  • Der dritte Wickel bleibt maximal eine halbe Stunde.

Bleiben Sie bei Ihrem Kind, während die Wickel anliegen, und beobachten Sie den kleinen Patienten oder die kleine Patientin genau – fängt er oder sie an zu frieren, nehmen Sie die Wickel unverzüglich ab. Bei Kindern im ersten Lebensjahr sind Wadenwickel oft kaum anwendbar, hier kann man mit handwarmem Wasser den Körper einmal abwaschen.

Bild

Beratender Experte: Dr. med. Guido Krandick ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Nach Studium in Bonn, Wien und Würzburg folgte eine fast zehnjährige Tätigkeit an der Kinderklinik Schwabing der TU-München. Seit 2000 führt er eine eigene Praxis südlich von München. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten.


Quellen:

  • Melchart: Naturheilverfahren, Leitfaden für die ärztliche Aus-, Fort-, und Weiterbildung. In: New York, Schattauer Verlag 01.01.2002, 1: 1-100
  • Uhlemann C, Lange U, Seidel E: Grundwissen Rehabilitation, Physikalische Medizin, Naturheilverfahren. In: Bern, Verlag Hans Huber 01.01.2007, 1: 1-100
  • Bachmann R, Schleinkofer B: Natürlich gesund mit Kneipp. In: Stuttgart, Trias-Verlag 01.01.2013, 1: 1-100
  • Petra Kunze und Vivian Weigert: Wickel, Tees und Mutterliebe., Die besten Hausmittel für kranke Kinder. In: München Gräfe und Unzer Verlag 01.01.2012, 1: 1-100
  • Dr. Micchael Stellmann: Kinderkrankheiten natürlich behandeln. In: München Gräfe und Unzer Verlag 01.01.2004, 1: 1-100
  • H.-I. Huppertz, Christian P. Speer, Manfred Gahr and Jörg Dötsch: Das fiebernde Kind. Nature Public Health Emergency Collection: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/... (Abgerufen am 25.10.2022)
  • Christof Metzler : Wadenwickel – gewusst wie und wann. In: Springer Verlag: 13.10.2021, https://doi.org/...
  • Tonia Iblher, Elke Jäger-Roman : Das fiebernde Kind. Deutscher Ärzteverlag GmbH: https://www.online-zfa.de/... (Abgerufen am 14.09.2022)
-